| von Dr. Peter Mergler
Auf den Spuren der Römer in Mainz
Ein römisches Theater mitten in der Stadt, Grabsteine mit Geschichten aus der Antike und ein Heiligtum unter einer Einkaufspassage: Bei ihrer zweitägigen Lateinfahrt am 30. September und 1. Oktober 2026 erkundeten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 das antike Mogontiacum. Ihre Eindrücke hielten sie anschließend in schriftlichen Reflexionen fest.
Ein römisches Theater mitten in der Stadt, Grabsteine mit Geschichten aus der Antike und ein Heiligtum unter einer Einkaufspassage: Bei ihrer zweitägigen Mainzfahrt konnten die Lateinschülerinnen und Lateinschüler der Jahrgangsstufe 8 entdecken, wie viel römische Vergangenheit bis heute sichtbar ist. Begleitet von Dr. Peter Mergler und Birgit Hoos erkundeten sie am 30. September und 1. Oktober 2026 das antike Mogontiacum. Dabei ging es um Baukunst, Alltagsleben und Religion – und um die Erfahrung, Geschichte am ursprünglichen Schauplatz zu begegnen.
Ihre Eindrücke hielten die Jugendlichen anschließend in schriftlichen Einzel- und Gruppenreflexionen fest. Sie überlegten, was sie überrascht hatte, welches Wissen neu hinzugekommen war und was ihnen besonders in Erinnerung bleiben würde. Aus diesen persönlichen Rückblicken und gemeinsam verfassten Texten stammen die Zitate in diesem Bericht.
Römische Geschichte vor Augen
Nach der Anreise aus Fulda und einem ersten Abstecher zur Jugendherberge begann am Mittwoch die Stadtführung. Zu den Stationen gehörten das Römische Theater, der Drususstein und Überreste der römischen Befestigung am Kästrich. Schon die Dimensionen des Theaters ließen aufhorchen: Rund 10.000 Menschen fanden hier einst Platz. Die erhaltenen Mauern machten anschaulich, welchen Aufwand die Römer für ihre Bauten betrieben.
Linus Heß erinnert sich in seinem schriftlichen Rückblick an den gelungenen Empfang: „Dort hat uns ein sehr freundlicher und sympathischer Gästeführer empfangen." Wie gut die Stadtführung ankam, zeigt auch die persönliche Reflexion von Joscha-Benjamin Szilagyi: „Das Spannendste an dieser Lateinfahrt war die Führung am ersten Tag durch die Stadt."
Dass der Besuch vor Ort einen Unterschied machte, beschreiben Lina Leinweber, Mia Pylypyeva, Stella Isler und Stella Hoang in ihrem gemeinsamen Bericht. Vorher habe man sich kaum vorstellen können, „wie groß so ein Theater war oder wie dick die Mauern waren". Zwischen den Überresten bekamen diese Größen eine konkrete Bedeutung.
Am Drususstein zeigte sich zugleich, dass Geschichte Fragen offenlässt. Das Monument wird traditionell als Ehrengrab für den römischen Feldherrn Drusus gedeutet; diese Zuordnung ist jedoch nicht abschließend gesichert. So bot die Führung auch Anlass, zwischen gesichertem Wissen und historischen Deutungen zu unterscheiden.
Wie stark die Römer Mainz geprägt haben, wurde auch Jan Plönes auf der Fahrt deutlicher. In seiner schriftlichen Reflexion hält er als neue Erkenntnis fest, dass „die Römer deutlich mehr in Mainz gemacht haben, als ich dachte". Die Begegnung mit den Bauwerken vor Ort erweiterte so seinen Blick auf die römische Vergangenheit der Stadt.
Was Steine über Menschen erzählen
Im Landesmuseum rückten anschließend die Menschen des römischen Mainz in den Mittelpunkt. Grabdenkmäler, Inschriften und Mosaike eröffneten unterschiedliche Zugänge zu ihrem Leben. Für Felix Elias Lax war dies der Höhepunkt der Fahrt, wie er in seinem schriftlichen Rückblick festhält: „Am besten gefallen hat mir dabei der Besuch im Landesmuseum Mainz."
Auch die Mosaike sorgten für neue Entdeckungen. „Neu war für mich hier, dass es auch in Mainz Mosaike gibt", schreibt Lorenz Rau. Die ausgestellten Bodenmosaike aus Mainzer Stadtvillen zeugen davon, wie aufwendig wohlhabende Bewohner ihre Häuser ausstatten ließen.
Besonders anschaulich ist der Grabstein des Schiffers Blussus und seiner Frau Menimane. Ihre Kleidung und ihre Namen verweisen auf die keltische Bevölkerung der Region; zugleich nutzte die Familie römische Formen des Totengedenkens. Die Schiffsdarstellung auf der Rückseite erzählt von der wirtschaftlichen Grundlage ihres Wohlstands. Der Stein verbindet damit persönliche Lebensgeschichte und den kulturellen Wandel im römischen Mainz.
Für Nils Jaspert lag ein besonderer Reiz darin, die Originale aus nächster Nähe betrachten zu können. Sein Eindruck: „Das Landesmuseum war auch sehr spannend, besonders die Steinhalle, wo es viele alte Steine gab, die alle echt waren." Aus vermeintlich stummen Steinen wurden so Zeugnisse von Menschen, ihren Berufen und ihren Familien.
Ein Heiligtum unter der Einkaufspassage
Am Donnerstag führte der Weg in das Heiligtum der Isis und Mater Magna unter der Römerpassage. Schon dieser Ort machte deutlich, wie eng sich heutiges Stadtleben und antike Vergangenheit in Mainz überlagern. Das Doppelheiligtum war zwei Göttinnen gewidmet, deren Kulte aus dem östlichen Mittelmeerraum an den Rhein gelangt waren.
„Ich fand die Führung in dem Isis-Heiligtum am besten", schreibt Jona Biensack in seiner persönlichen Rückschau. Er hebt hervor, wie viel er über die beiden Göttinnen gelernt habe. Besonders die Fluchtafeln hatten sein Interesse geweckt.
Bei der Führung lernte die Gruppe verschiedene Formen religiöser Praxis kennen: Menschen legten Gelübde ab, brachten Weihgeschenke dar und opferten Speisen oder Tiere. Zu den erhaltenen Spuren gehören verkohlte Früchte wie Datteln und Feigen sowie Hühnerknochen. Auch Fluchtafeln und sogenannte Zauberpuppen wurden erläutert. Sie eröffneten einen ungewöhnlichen Einblick in die Wünsche, Ängste und Konflikte damaliger Menschen.
Paul Veldung, Johann Höhne und Florian Günther griffen diese Zeugnisse in ihrem gemeinsam verfassten Text auf. Als faszinierende Funde nennen sie „über 300 antike Öllämpchen sowie Überreste von echten Opfergaben wie Datteln, Feigen und Hühnerknochen". Ihr Rückblick zeigt, wie konkret die Begegnung mit antiker Religion hier wurde: An erhaltenen Gegenständen ließen sich Handlungen nachvollziehen, die sonst weit entfernt erscheinen.
Gemeinsam unterwegs
Neben den Führungen blieb Zeit, Mainz selbst zu erkunden, gemeinsam zu essen und den Abend in der Jugendherberge zu verbringen. Ein Film, der antike Themen auf humorvolle Weise aufgriff, sorgte dabei für gemeinsame Unterhaltung. Auch in den schriftlichen Rückblicken kam der Filmabend gut an: „Der Film, den wir dann am Abend geguckt haben, war eine gute Idee und eine gute Unterhaltung", hält Ioannis Manolis fest.
Am Donnerstagnachmittag ging es zurück nach Fulda. Tim Schwendrich erinnert sich an „eine sehr schöne Zeit miteinander" und daran, dass er „viel über Mainz und die Römer gelernt" habe. Beides gehörte auf dieser Fahrt zusammen: neue Einblicke in die Antike und gemeinsame Erlebnisse außerhalb des Klassenzimmers. Unterstützt wurde die Fahrt durch Europaschulmittel.
Den Blick auf die lange Geschichte der Stadt weiteten Theo Zimmermann, Krista Lutsch, Amelie-Josephine Lenninger, Vanessa Fritzler und David Raab in ihrer Gruppenarbeit. Sie beschreiben Mainz als eine Stadt, „in der noch heute zahlreiche Spuren ihrer römischen Vergangenheit zu finden sind". Diese Spuren hatten die Jugendlichen nun selbst kennengelernt und in ihren schriftlichen Überlegungen noch einmal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
Die Mainzfahrt ist Bestandteil des Fahrtenkonzepts der Freiherr-vom-Stein-Schule. Als Europaschule legen wir besonderen Wert auf solche kulturellen Entdeckungen vor Ort: Geschichte und Antike werden lebendig, wenn junge Menschen ihre Spuren selbst erkunden und ihre Eindrücke gemeinsam reflektieren. Der Blick auf das römische Mainz macht einen Teil des kulturellen Erbes Europas anschaulich und zeigt, wie eng die Geschichte unserer Region mit dem Mittelmeerraum verbunden ist. Solche Begegnungen bieten zugleich Anlass, über das Zusammenleben verschiedener Kulturen nachzudenken. Damit verbinden wir ein zentrales Anliegen unserer Europaschule: Offenheit, gegenseitigen Respekt und Wertschätzung kultureller Vielfalt zu fördern.
Weiterführende Informationen
Römisches Theater · Drususstein · Blussus und Menimane · Römische Mosaike · Isis und Mater Magna · Römisches Mainz, PDF







